Von Winfried Vennemann, Fotos Udo Dreier
UNTERKRUMBACH Vor 24 Jahren haben sie gleich mehrere Babys ins Leben gehievt: Herwig und Ute Danzer ihre Tochter Laura, Gunther und Helga Münzenberg ihre Tochter Jana - und gemeinsam die Firma "Die Möbelmacher". Damals, im Jahr 1988, beschlossen sie, mit ökologisch hergestellten Massivholz-Möbeln ihrem Leben eine wirtschaftliche Grundlage und einen Sinn zu geben. Heute hat die außergewöhnliche Schreinerei in Unterkrumbach bei Hersbruck 15 Mitarbeiter, Kunden in ganz Deutschland und ist längst zu einem Komplett-Einrichter geworden - vom Fußboden bis zur Beleuchtung.
(Firmenziel)
Kennengelernt haben sich die beiden Männer beim Drachenfliegen. Danzer finanzierte damals als Hobby-Schreiner sein Studium der Germanistik, Soziologie und Politik mit Holzspielzeug, das er in der Waschküche seiner Mutter produzierte. Münzenberg arbeitet als angestellter Schreinermeister. Von Anfang an waren sie sich einig, nur heimisches Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verarbeiten zu wollen.
(Die Firmengeschichte der Möbelmacher als Text und als Tabelle)
Das ziehen sie bis heute konsequent durch. Die Stämme werden auf dem Betriebsgelände gelagert, entrindet und vorgesägt. Danach trocknen sie auf großen Stapeln an der frischen Luft. Wenn die Bretter "reif" sind, kommen sie in die Trocknungs-Anlage, danach sind sie bereit, durch kundige Schreinerhand veredelt zu werden. Während eine Nebel-Anlage an der Decke für die nötige Luftfeuchtigkeit sorgt, wird das Holz zugesägt und so verleimt, dass die natürlichen Strukturen und Farben des Holzes optimal zu Geltung kommen. "Der Schreiner erkennt, welches Potenzial drinsteckt, er komponiert", sagt Herwig Danzer dazu.
(Die Möbelfertigung vom Wald bis bis zum fertigen Möbel)
Er schreibt sich gern mit kleinem h, eine Marotte, genau wie die Holzfliege an
seinem Hals. „Mit 26 Jahren,habe ich mir geschworen, nie eine Krawatte zu tragen“, sagt Danzer. Die Holzfliege ist ein Kompromiss.
(Hier wird im Kommentar des Blogartikels erklärt, wie es zum kleinen "h" kam)
Warum die Mühe, während andere Schreiner mit fertigen Massivholz-Platten arbeiten? "Weil die Möbel einfach schöner werden", sagt Danzer, außerdem habe man so von Anfang an Einfluss - der ganze Prozess, vom Baum zum Möbel. Dahinter steckt die Idee von Nachhaltigkeit. Die Stämme - ausschließlich Hartholz wie Buche, Ahorn, Eiche, Esche, Elsbeere oder Kirsche - kaufen die Möbelmacher bei der Forstbetriebsgemeinschaft der Waldbauern vor Ort oder auf regionalen Wertholz-Versteigerungen. Die Oberflächen werden aufwändig nach einem selbstentwickelten Verfahren ausschließlich mit Öl behandelt. "Wir stellen aber nicht nur ein ökologisches Produkt her", sagt Danzer, "wir schauen auch, dass wir mit unseren Mitarbeitern vernünftig umgehen und dass die Wertschöpfung möglichst hier im Sittenbachtal bleibt."
(Nachhaltigkeit bei den Möbelmachern) (Nachhaltigkeitspreise und Auszeichnungen)
Ein echtes Heimat-Projekt, das auch Einfluss auf das Wirtschaften der Waldbauern hat. Beispiel Buche: Weil Buchen dazu neigen, mit rund 100 Jahren einen roten Kern zu bilden, wurden sie früher jung geschlagen. Denn der rote Kern galt als Makel und entwertete den Baum zu Brennholz. Die Möbelmacher begannen, den roten Kern alter Buchen als elegantes Markenzeichen zu veredeln. Heute bleiben die Buchen länger stehen. "So", sagt Danzer, "bekommen wir eine vernünftige Altersstruktur im Wald."
(Massivholzmöbel aus dem Holz der Region)
Seit 1997 steht der neue Betrieb in Unterkrumbach, natürlich aus Holz der umliegenden Wälder, natürlich baubiologisch auf dem neuesten Stand und beheizt mit den Abschnitten und dem Sägemehl der Schreinerei. Nebenan haben sie ein Musterhaus hingestellt, vom Fundament bis zum First aus Materialien der Umgebung. Danzer wohnt mit seiner Familie hier. Innen in der Werkstatt aber Hightech: Computergestütztes Bearbeitungszentrum, lasergeführte Säge. "Ökologisch heißt ja nicht unmodern", sagt Danzer.
(Das regionale Musterhaus)
Im 1. Stock können Besucher Produkte der Möbelmacher anschauen - und wirklich erleben. Hier ist Herwig Danzer in seinem Element. Während sein Compagnon Münzenberg eher der Perfektionist in der Schreinerwerkstatt ist, läuft Danzer zur Hochform auf, wenn er seine Produkte an den Mann oder die Frau bringt. Denn eine simple Möbelausstellung ist das hier nicht. Flugs hat Danzer ein paar Kartoffelscheiben geschnitten, schon brutzeln sie in der Musterküche auf dem Tepan Yaki, einer heißen Edelstahl-Fläche, die in der Kochinsel neben dem Induktions-Feld installiert ist. Beraten und braten - hier ist alles eins. Und während die Kartoffel-Chips knusprig werden und nachdem Danzer einen Rosewein eingeschenkt hat, greift er zum Stift und lässt wie nebenbei eine Traumküche auf dem Blatt entstehen. Die geballte Kochkunst, gepaart mit geschliffener Schreiner-Kompetenz sind unwiderstehlich.
(Kochthemen im Nachhaltigkeitsblog der Möbelmacher)
Dem hat sich auch der Nürnberger Oberbürgermeister nicht entziehen können. Wenn Hobbykoch Ulrich Maly in seinem Haus im Stadtteil Falkenheim am Herd steht, dann umgibt ihn das Ambiente der Möbelmacher (Küche von Familie Maly). Keine Frage, es macht ein gutes Gefühl, sich in nachhaltig hergestelltem Mobiliar zu bewegen. Das hat natürlich seinen Preis: Küchen - sie machen über ein Drittel des Möbelmacher-Umsatzes aus - beginnen bei 25.000 Euro, ein schöner Esstisch ist aber auch für unter 2000 Euro zu haben. "Wir leiden ein bisschen unter unserem Luxus-Image", sagt Danzer. Dabei seien das Möbel fürs ganze Leben. "Viele Kunden kaufen sich Stück für Stück." Erst letzte Woche seien Kunden wegen eines Sofas gekommen - "jetzt bekommen sie auch eine Küche". Vermutlich hat Danzer, der Mann mit der Holzfliege und dem schnellen Zeichenstift, wieder den Tepan Yaki angeworfen...
(die Massivholzküchen der Möbelmacher)