Heißen Nachhaltigkeits-Kunden jetzt Lohas?

Nachhaltig wirtschaften ist zum Beispiel das Holz aus dem Wald in der Nachbarschaft

Einzelanfertigung und Handarbeit statt Großserie und Automaten

Der Begriff LOHAS steht für Lifestyle of Health and Sustainibility und wäre (nach Peter Parwan) übersetzbar mit "Ausrichtung der Lebensweise auf Gesundheit und Nachhaltigkeit".

Prognosen (Die Lohas-Studie des Zukunftsinstituts von Matthias Horx) gehen davon aus, dass sich in den nächsten Jahren bis zu 60 Prozent der Bevölkerung in diese Richtung entwickeln, was ja durchaus positiv zu sehen wäre.

Auch unsere Kundenbefragungen (zum Beispiel der Kalenderfragebogen seit 1997 und die neutrale Telefonbefragung durch das Forschungswerk 2007) zeigen einen gewissen Trend in diese Richtung, der aber auch durch die modernere Belegung des Wortes Nachhaltigkeit ausgelöst sein kann. Als wir ganz am Anfang unserer Befragung nach der Kaufmotivation "Nachhaltigkeit" fragten, kannte das Wort wohl noch niemand, zwischendrin war es von nachplappernden Politikern bereits so abgenudelt, dass es niemand hören wollte und jetzt erlebt es durch die Klimaproblematik eine positiv besetzte Renaissance.

Wir betonen weiterhin die Herkunft des Begriffes aus der deutschen Forstwirtschaft wo man die Idee hatte, nicht mehr Holz aus dem Wald zu holen, als in der gleichen Zeit nachwachsen kann. Oder als "Dingsda-Definition:" Nachhaltigkeit ist, wenn nachher nicht weniger da ist, als vorher.".

Lohas Blogs und Lohas Portale

Peter Parwan (Lohas.de) und Maria Antoniades vom Altop Verlag

heimischer Apfelbaum statt Bio aus Neuseeland?

Ein Trend ist erst Trend, wenn er auch im Internet stattfindet. Dort gibt es eine ganze Reihe von jungen und mittelalten Bloggern, die aus echter Überzeugung für mehr Nachhaltigkeits-Bewusstsein arbeiten. Reto Stauss aus der Schweiz hat diese hier zusammengefasst und hält die Liste seiner ausgewählten Nachhaltigkeitsblogger weiterhin aktuell.

Ob und wie sich die jungen Lohas-Portale entwickeln weiß man im Moment noch nicht, Peter Parwan auf Lohas.de war einer der ersten, der sich des Themas annahm. Wenn allerdings irgendwo viel Geld dahinter steckt (z.b. Burdas ivy-world oder utopia), kann damit schnell die Aufmerksamkeit  - vielleicht auch die Ernsthaftigkeit? - abgelenkt werden. Diese Gefahr halten wir beim "alternativen Branchenbuch," in dem wir seit fast 20 Jahren präsent sind für geringer, denn dort sind vor allem die Firmen versammelt, die seit vielen Jahren nicht nur schreiben, sondern auch handeln. Klar, bei eco-world.de sind die alten Ökos vertreten und wir wissen noch nicht, ob die neuen Lohas nach denen suchen, oder eher nach marketingtechnisch perfekt verpackten SchickiMicki-Firmen, die mit der Geschichte des nachhaltigen Lifestyles die großen Aufträge in allen Branchen absahnen.

Wir sehen das Geschehen gelassen, engagieren uns aber gleichzeitig in dieser Richtung hauptsächlich in unserem eigenen Nachhaltigkeitsblog.

Lohas handeln nach unserer Überzeugung nicht nach einem neuen Trend, sondern nach dem gesunden Menschenverstand. Denn es macht Sinn darüber nachzudenken, ob man die Organisation, der man sein Geld für Lebensmittel,
Klamotten oder Einrichtungsgegenstände anvertraut, auch wirklich unterstützen möchte oder nur deren billiges Produkt nutzen will. Weg vom unreflektierten
Konsumdenken hin zur qualitätsbewussten Lebensart ist keine Utopie, sondern eine logische Denkweise. Und es ist auch nicht ganz doof darüber nachzudenken, ob mir „bio” in Neuseeland wichtiger ist als unzertifizierter, aber rechtschaffener Umgang mit Mutter Erde in der Nachbarschaft.

 

Lohas oder lieber Lohäschen?

In diesem Publikum war niemand, der den Ausdruck "Lohas" kannte

Jana wäre über den Titel "Lohäschen" wohl wenig begeistert

Wir fragen danach.

Im Jahr 2007 haben wir für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin (Corporate Social Responsibility), die Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg (Nachhaltige Betriebsführung), den Internet World Kongress München (Glaubwürdigkeit Online) das Landratsamt Nürnberger Land (Kundenbindung durch erfolgreiche Unternehmenspräsentation), den Tauberbischoffsheimer Holzbearbeitungsmaschinenhersteller Weinig (Nachhaltigkeit im Holzhandwerk)und das Businessbreakfast (Nextpertsmeeting) in München über „Lohas, Blogs und Nachhaltigkeit” referiert. (Alle Vorträge auch im Blog nachlesbar) Mit der Frage nach den Lohas konnten nur die Teilnehmer am Nextpertsmeeting was anfangen, bei allen anderen breitete sich Stille aus und man sah förmlich Fragezeichen durch die Luft fliegen.

Wer will schon "Lohas" heißen, vielleicht noch lieber "Lohäschen"? Aber ob das die stilsichere, hochgebildete und erfolgsverwöhnte Karrierefrau auf der Suche nach Nachhaltigkeit hören will, bleibt zu bezweifeln.

 

Trotzdem müssen wir den Menschen, die beim Einkaufen nachdenken, eine Orientierungsmöglichkeit bieten. Wir versuchen das seit vielen Jahren über unsere Nachhaltigkeitsseiten auf der hompage und das Nachhaltigkeitsblog, bemühen uns aber auch im Rahmen des Initiativkreises Holz aus der Frankenalb die Bevölkerung für dieses Themen zu sensibilisieren, nicht nur mit dem Ziel, dass sie dann bei uns kaufen (auch wenn das kein Fehler wäre), sondern auch um ein generelles Bewusstsein für regionale Produkte zu schaffen. Denn das würde die Lebensqualität gerade in einer Slow City wie Hersbruck erhöhen.

Christoph Harrach von Karmakonsum veranstaltete in Frankfurt die erste Lohaskonferenz, gemeinsam organiseiren wir ein Bloggertreffen parallel zu Biofach in Nürnberg