Massivholzküche, Essplatz und wohngesundes Schlafzimmer in Miami

Was ich von Miami (Vice) weiß

Es ist eigentlich eine Familiengeschichte: Felix, ein 16-jähriger Schulfreund unserer Tochter, entdeckte an unserer Kochinsel die Freude am Kochen mit vielen lieben Freunden. Nichtmal 20 Jahre später ist es soweit, wir beladen den Container komplett mit Küche, einigen Spezialgeräten, Esstisch, Stühlen und Bett samt ProNatura Bettsystem und hoffen inständig, dass alles gut ankommen wird. Das ist es gottseidank, auch wenn noch viel Zeit bis zur endgültigen Fertigstellung und deren Fotografie vergehen sollte. Jetzt können wir es endlich zeigen.

Das Projekt war eine kommunikative, verwaltungstechnische (Zoll und Spedition) und – für uns völlig neu – verpackungstech-nische Herausforderung, denn normalerweise packen wir die Möbel mit 1000 mal wiederverwendbaren Decken in unseren Anhänger. Aber für einen Container, der nicht nur beim Umladen, sondern auch auf hoher See auf dem Schiff „Soraya“ gewaltig geschüttelt wird muss man mehr tun, denn: beim „Stampfen“ bewegt sich der Container auf dem 300 Meter langen Schiff 30 Meter auf und ab, beim „Rollen“ um die Längsachse entstehen bei schwerer See Neigungswinkel von bis zu 45 Grad – auweia!

Perfektionismus pur

Im Oktober 2018 kochten wir zusammen mit Felix und Richterin K. Spelge, wobei er uns die Zubereitung von Seviche (Rezept) zeigte. Anhand des millimetergenauen Schnittes seiner Süßkartoffeln erahnten wir schon, dass man den Entwurf dieser Küche für einen Perfektionisten mit einer per Handy zugeschalteten Architektin als Ehefrau neudeutsch als echte „Challenge“ bezeichnen könnte.Jede Küchenplanung ist ein Prozess in vielen Schritten, mit Telefonaten und – in diesem Fall – 294 Emails. Und so präsentieren wir unsere erste regionale Küche in Amerika. Zwar macht unsere Ausgleichszahlung für 950 kg CO2-Äquivalent bei Primaklima.org unser Containerschiff MSC-Soraya nicht wirklich klimaneutral, aber Hersbrucker sollen nach unserer Überzeugung auch in Florida unsere Möbel genießen können.

Ein langer Weg bis zur perfekten Planung

Das gemeinsame Planen war ein langer Weg, der mit der leider aktuell sehr beliebten und oft gezeigten (trotz alledem aber unfunktionalen!) Küchenidee begann: Spüle und Kochfeld zusammen in der Insel gegenüber von lauter Hochschränken.
Vor allem durch das gemeinsame Kochen konnten wir aber vermitteln, dass eine Insel viel zu wertvoll ist, um darin auch noch zu spülen, der Platz reicht selbst bei diesen Ausmaßen nicht. Zumal das ganze Geschirr auf der Insel doof aussieht. Außerdem sind Kochen und Spülen zwei komplett unterschiedliche Arbeiten: Beim Spülen ist man konzentriert und arbeitet ohne Pause, weshalb man keinen Blickkontakt zu Gästen oder der Familie braucht. Deswegen kann die Spüle auch an der Wand stehen, im Idealfall noch vor einem Fenster oder aber mit Spiegel. Ganz anders beim Kochen: hier entstehen ganz viele Pausen, die das Zusammensein an der Insel so angenehm machen und ihm gleichzeitig den Arbeitscharakter nehmen. 

Die Spüle muss nach unserer Philosophie ein eigener Arbeitsplatz werden (nicht mit Holzarbeitsplatte, sondern Keramik, Stein oder Edelstahl), idealerweise gegenüber vom Kochfeld. Gottseidank waren Felix und Martha Maria offen für andere Vorschläge und so entstand diese funktional, ergonomisch und ästhetisch perfekt an die Familienbedürfnisse angepasste Küche.

Amerikanische Größenverhältnisse in der Massivholzküche aus Unterkrumbach

Die Keramik-Kochinsel ist zusammen mit dem Anstelltisch aus Nussbaum 435 cm lang, die Hochschränke verdienen ihren Namen redlich dank 327 cm Gesamthöhe (sie sind aber so gestaltet, dass man sie auch in „normalen Räumen“ in „Good old Germany“ wieder aufbauen könnte) und der 280 cm lange Esstisch erreicht mit Ansteckplatten die 4 Metermarke. (Gestell aus Platzgründen zerlegbar, die Stühle von Löffler aus Reichenschwand).

„Höher, schneller, weiter“ allerdings nicht beim Strom, denn „drüben“ stehen nur 110 Volt zur Verfügung, weshalb uns die Firma Komet den Vakuumierer als Sonderanfertigung für die USA baute. Auch die Inch-Maße der amerikanischen Mielegeräte mussten wir umrechnen, den Tepan Yaki von Jaksch haben wir aufgrund transatlantischer Stromstörungen lieber ganz klassisch ohne Elektronik gewählt.

Das Projekt war eine kommunikative, verwaltungstechnische (Zoll und Spedition) und – für uns völlig neu – verpackungstechnische Herausforderung, denn normalerweise packen wir die Möbel mit 1000 mal wiederverwendbaren Decken in unseren Anhänger. Aber für einen Container, der nicht nur beim Umladen, sondern auch auf hoher See auf dem Schiff „Soraya“ gewaltig geschüttelt wird muss man mehr tun, denn: beim „Stampfen“ bewegt sich der Container auf dem 300 Meter langen Schiff 30 Meter auf und ab, beim „Rollen“ um die Längsachse entstehen bei schwerer See Neigungswinkel von bis zu 45 Grad – auweia!


Der Essplatz: Massivholztisch in Nussbaum mit zerlegbaren Edelstahlgestell

Als abzusehen war, dass die vielen Möbel nur knapp in den Container passen werden, planten wir das Tischgestell in eine zerlegbare Variante um. Mit den zwei Ansteckplatten kann man den Tisch von 280 cm auf die 4 Meter verlängern, die Stühle sind von Löffler aus Reichenschwand.


Natur pur im Massivholzbett in Florida

Natur pur auch im Massivholzbett in Florida

Was nimmt man sonst noch mit nach Amerika? Ein ProNatura Bettsystem und ein Massivholzbett, dessen Leichtigkeit den kleinen Edelstahlfüßen und den gläsernen Nachtkästchen geschuldet ist, die nur eine Eichenschublade für das übliche Kleinzeug tragen. Aus Platzgründen im Container haben wir das Kopfteil des Bettes in ledergepolsterte Segmente zerlegt, die ihre volle Größe dann erst in Miami entfalteten. Für uns war die Kompletteinrichtung in Miami eine spannende Erfahrungen von der pulverbeschichteten weißen Blechfront, über die Verpackung bis hin zu den Formularien. Das müssen wir nicht ständig haben, aber ein fröhlicher Franke verdient auch in Florida ein Fleckchen Heimat.


Hier wird auch gekocht und zwar für viele Menschen!

Felix kocht ausgezeichnet und weil man das den Fotos weiter oben nicht ansieht, haben wir hier noch eines, das die Küche auch mal im verwendeten Zustand zeigt. Die denn Massivholzküche ist das eine, das Kochen das andere. Gottseidank kochen alle unsere Kunden sehr engagiert, die typische teure, aber unbenutzte Küche gibt es bei uns nicht.

Das "Making of"

Auch in der Presse war über die Miami-Küche zu lesen

Besuch nach der Montage

Im Sommer 2022 besuchte uns Martha Maria mit Kindern und Großeltern zum ersten Mal zwei Jahre nach der Montage und wir konnten uns endlich über die vielen gemeinsamen Erlebnisse, die leider nur telefonisch und virtuell erlebbar waren, austauschen. Wieder ein Jahr später hat uns Felix seine Fazits zum Küchenprojekt geschickt, die wir Ihnen auch nicht vorenthalten wollen.

Wertvolle Einblicke und Erfahrungen

Das schrieb uns Felix im August 2023:

"Ich habe in eurem Post gesehen, dass ihr die Woche in Aix verbringt und mich daran erinnert, dass ich dir noch ein paar Einblicke schicken wollte nach drei Jahren Küche benutzen …

1) Barstühle – Runde Basis (siehe Fotos)…
Wir waren uns von Anfang an sicher, dass eine runde Basis nicht mit unserem modernen, minimalistischen Look harmonisieren würde, und haben uns mit herwig fast gestritten, um von seiner Empfehlung der runden Basis abzusehen. Nach nun drei Jahren müssen wir es eingestehen – herwig hatte recht. Auch wenn die quadratische Basis sehr schön ist – sie sind einfach nicht so praktisch. Kinder können sich daran sogar barfuß an den Ecken verletzen, aber was am meisten „nervt“ ist: wenn nicht alle Stühle perfekt in einer Linie und mit den Füßen parallel ausgerichtet stehen, dann sieht es einfach nicht so organisiert und aufgeräumt aus.

2) Griffe – ja – meistens
Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen von den Schrankfronten, vor allem dem Hochschrankvolumen. Meine Frau war absolut gegen Griffe und wollte die ganze Front mit „Push-to-Open“ Türen und Schubladen ausstatten, meine erste Idee war eine gefräste Oberkante mit schwarz-gepulvertem Blech dahinter. Von beidem Varianten riet uns herwig ab. Nach langem Hin und Her wählten wir einen Kompromiss und gestalteten einige Türen ohne Griffe und ließen für die anderen Schränke und Schubläden Griffe nach einer Skizze von einem Schlosser anfertigen. Nach nun drei Jahren sind wir definitiv glücklich mit unserer Entscheidung – außer vielleicht die eine Schranktür mit Push-to-open und Innen-Schubläden, ist ab und zu etwas nervig mit dem Extra-Schritt zum Öffnen. Neben den regelmäßigen Mehl- und Fettfingerflecken …

3) Besteckschubladen -
Wir haben unseren Besteckschubladen etwas abseits, hängend unter einer weiterer Arbeitsfläche gewählt. Wir lieben sie dort, da wir entweder groß aufdecken (und dann alles griffbereit haben) oder aber zu viert direkt am Frühstückstisch essen. Mehrfach wurde uns empfohlen, das Besteck näher am Herd zu haben. Ja sogar die Original-Einteilung ist im Schub gegenüber vom Herd. Nun ja – ist der Mensch nicht faul? – erwischen wir uns doch immer dabei, mit den Kinderlöffeln die Soße oder ähnliches abzuschmecken, da diese dann doch griffbereit direkt gegenüber vom Herd in der ursprünglich geplanten Besteckschublade sind."